«Die Greater Zurich Area besticht durch technologische Vielfältigkeit, Forschungseffizienz und Dynamik in den Zukunftstechnologien»

Der Wirtschaftsraum Greater Zurich Area verfügt über eine grosse Breite von Zukunftstechnologien. In einigen von ihnen gehört er zur Spitze in Europa und der Welt, sagt Kai Gramke vom BAK Basel Economics. Das Forschungs- und Beratungsunternehmen hat zusammen mit der Greater Zurich Area AG (GZA AG) eine vergleichende Analyse der Innovationskraft des Wirtschaftsraums Zürich mit führenden Metropolitanregionen weltweit erarbeitet.

Sie haben mit der GZA AG die Zukunftstechnologien in der Metropolitanregion Zürich untersucht. Was hat Sie am meisten überrascht?

Kai Gramke: Am meisten hat mich die Breite der in der Region vorhandenen Zukunftstechnologien überrascht. Das sieht man auch erst, wenn man nicht die klassischen Branchen anschaut, sondern die Technologien selbst.

Wie steht die Region im internationalen Vergleich da?

Das war eine der wichtigsten Ergebnisse: Die Greater Zurich Area ist eine der Topregionen in Europa und der Welt. Aber wie gut die Region gemessen an der Forschungsintensität und der Innovationskraft im Vergleich zu anderen Metropolregionen ist, das konnten wir mit unserer Methode nun zum ersten Mal darstellen.

Wie kann man das messen?

Bisher wurden für die Innovationskraft die Inputfaktoren angegeben, also etwa die Höhe der Forschungsgelder oder die Anzahl der Forscher. Wir haben mit dem Institut für Geistiges Eigentum in Bern einen Ansatz entwickelt, um zu messen, wie gut das Ergebnis der Innovation ist. Bisher hat man dafür Patente gezählt; wer die meisten hatte, galt als der beste. Wir unterscheiden dagegen zwischen Klasse und Masse. Dabei schauen wir einerseits auf die Eigeneinschätzung der Patentinhaber: In je mehr Ländern sie ihre Innovation mit einem Patent schützen lassen, desto wichtiger ist es ihnen. Andererseits schauen wir auf die Fremdeinschätzung: wie oft ein Patent in anderen Patentschriften zitiert wird. Daraus entsteht eine Rangordnung und nur die besten Patente bezeichnen wir als Weltklasse. Auf diese Weise können wir die Innovationskraft einer Region bestimmen.

Wie steht die Greater Zurich Area da?

Die Region hat einen sehr hohen Anteil an Weltklassepatenten. Sie hat viele gute Forschungsschwerpunkte, bei denen sie in absoluten Zahlen eine hohe Zahl solcher Patente hat, aber auch eine hohe Forschungseffizienz: Der Anteil der Weltklassepatente an den gesamten Patenten in den jeweiligen Technologien ist vergleichsweise hoch. Die Greater Zurich Area besticht durch die technologische Vielfältigkeit, Forschungseffizienz und Dynamik in den Zukunftstechnologien.

In welchen Technologien ist sie besonders stark?

Die Region hat einen klaren Schwerpunkt bei den Life Sciences, da rechnen wir auch Pharma und Medizintechnik dazu. Wir sehen die Life Sciences als eine der Technologien, für die alle Trends sprechen – die demographische Entwicklung, der zunehmende Wohlstand, die Nachfrage in den Schwellenländern. Dazu selbstverständlich die Energie, aber die Region ist auch in der Sensorik gut aufgestellt. Sensoren sind ein wesentlicher Inputfaktor der Vernetzung und heute überall. Das Sensorik-Cluster rund um Zürich strahlt weit über seine Grenzen hinaus.

Wie bestimmen Sie eine Zukunftstechnologie?

Dabei geht es immer um einen Mix von Technologien, von denen wir ausgehen, dass sie eine gewisse Dynamik haben und die Welt nachhaltig beeinflussen. Wir haben diese Technologien zusammen mit dem Institut für Geistiges Eigentum in den letzten zwei Jahren definiert. Insgesamt haben wir über 50 Technologien bestimmt. Für die Greater Zurich Area haben wir die wichtigsten Technologien ausgewählt, etwa Systemtechnologien wie die Sensorik, die Robotik, Wearables, aber auch Life Sciences, Energie und verschiedene digitale Technologien.

Und die Digitalisierung selbst?

Digitalisierung ist kein Selbstzweck, und deshalb ist sie aus unserer Sicht auch keine eigene Zukunftstechnologie. Sie ist eine Querschnittstechnologie, welche auf andere Technologien und Branchen einwirkt und sie verändert – etwa in der Prozessautomatisierung, den smart grids oder den smart cities. Nicht Digitalisierung nimmt zu, sondern die Bedeutung der Digitalisierung für andere Technologien.

Sollte sich die Region auf einige Technologien konzentrieren?

Eine Region muss nicht in allen Zukunftstechnologien Weltspitze sein. Sie darf aber auch nirgendwo den Anschluss verlieren. Das hat damit zu tun, dass Neues nicht zwingend aus neuen Technologien entsteht, sondern aus der intelligenten Verknüpfung bestehender Technologien. Daher ist es so wichtig, dass diese Technologien auch vor Ort vertreten sind.

Wie wichtig ist Technologie überhaupt? Das iPhone ist eines der erfolgreichsten Produkte, aber sein Erfolg wurde stark vom Marketing getrieben.

Das stimmt, am Ende braucht es das gute Produkt. Aber: Der Wohlstand ist in den vergangenen Jahrzehnten vor allem dank der Globalisierung gewachsen – neue Märkte in Europa nach dem Fall der Mauer, die Öffnung Chinas, die Liberalisierung der Weltmärkte, der Europäische Binnenmarkt. Jetzt stockt die Globalisierung, es gibt eine Tendenz zum Protektionismus. Ausserdem kommt der demographische Wandel. Damit bleiben nur die Innovationskraft und der technologische Fortschritt, um Wachstum zu erzeugen. Bisher konnte dieser technologische Fortschritt nicht gemessen werden. Mit unserer Methode geht das.

Warum schauen Sie sich die Zukunftstechnologien im Rahmen von Metropolitanregionen an?

Eine Metropolitanregion ist in unserem Sinn ein geschlossener Wirtschaftsraum mit starken Produktionsverflechtungen oder starken Pendlerverflechtungen. In den seltensten Fällen stimmt er vollständig mit den politischen Gebilden überein. In Metropolitanregionen wie Zürich findet die Zukunft oft früher statt als anderswo. Das hat mit einem Mix aus Zentrumsstadt, gesellschaftlichen Entwicklungen und wirtschaftlicher Stärke zu tun.

Wie gut ist der Wirtschaftsraum Zürich für die Zukunft aufgestellt?

Die Region ist extrem gut aufgestellt. Das hat auch mit der Verflechtung der angewandten und der Grundlagenforschung zu tun. Hier sind mit der ETH und anderen einige der besten Institutionen der Welt präsent; es gibt ein umfassendes Cluster von Hochschulen und innovativen Unternehmen. Und gerade die ETH ist in vielen der Zukunftstechnologien präsent.

 

Zur Person:

Kai Gramke ist seit fast 20 Jahren in der Wirtschaftsforschung und Beratung aktiv, seit 2014 bei der BAK Basel Economics AG tätig und dort für die strategische Themen- und Projektentwicklung zuständig. Er hat an den Universitäten Bath und Basel Wirtschaft und Politik studiert.

Gramke hat im Auftrag der Greater Zurich Area AG die Zukunftstechnologien der Metropolitanregion untersucht.

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