Was Gestern galt wird heute bereits wieder hinterfragt

Die Digitalisierungswelle der letzten Jahre hat manchen auf dem falschen Fuss erwischt. Wieso war das so? Es war nicht ein Urknall und plötzlich stand die Digitalisierung vor der Haustüre. Nein, vielmehr hat sich langsam aber stetig eine Welle der Veränderung aufgebaut, welche heute bereits eine beachtliche Höhe erreicht hat, aber „noch“ nicht über uns hereingebrochen ist.

Das ist positiv, denn es ermöglicht allen noch die nötigen Massnahmen in Angriff zu nehmen, um sich dahingehend vorzubereiten und zu positionieren! Denn neue Regulierungen, veränderte Kundenbedürfnisse und sinkende Margen erhöhen kontinuierlich den Druck auf angestammte Geschäftsmodelle.

Produktevielfalt der Banken oder Versicherungen

Banken sowie Versicherungen bieten heute teilweise sehr viele unterschiedliche und individuelle Produkte – auch für kleine Kundengruppen – an. Das aber steht im klaren Gegensatz zu schlanken und kostengünstigen Prozessen. Die Krux bei der Sache ist, dass sich fast nur einfache und standardisierte Produkte mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis automatisieren lassen. Dies wird wohl in Zukunft dazu führen, dass individuelle Lösungen mit einem höheren Preis versehen werden – da diese manuell bearbeitet werden müssen. Standardlösungen hingegen, werden teil- oder vollautomatisiert abgewickelt und dadurch viel konkurrenzfähiger im Preis sein.

IT-Plattformen

Die heutigen IT-Plattformen von Banken und Versicherungen müssen in ihrer Architektur umgebaut werden, denn das schnelle zur Verfügung stellen von standardisierten und modularen Lösungen ist heute Trumpf und nicht nur Planungssicherheit und Stabilität. Die heutigen Plattformen sind aber die letzten Jahre auf Stabilität und Planungssicherheit getrimmt worden. Das ist ein kritischer Punkt. Denn, um in Zukunft, bei immer schneller werdenden Release Zyklen, konkurrenzfähig zu bleiben, muss man eine Antwort auf die neuen modernen und flexiblen Lösungen aus dem FinTech bzw. InsurTech Bereich haben. Das ist natürlich sehr einfach daher gesagt, aber diese Veränderungen bedeuten einen enormen Aufwand bis einerseits das Mindset der neuen Welt von den Mitarbeitern angenommen wird und bis die neuen Methodologien in allen Bereichen der Softwareplanung sowie der Softwareentwicklung nachhaltig Fuss gefasst haben.

Wie geht die Glarner Kantonalbank mit diesem Wandel um?

Wir haben im 2012 mit hypomat.ch unser erstes webbasiertes Standardprodukt lanciert und Schritt für Schritt weitere Angebote mit demselben Standardisierungsgrad auf den Markt gebracht. Ausserdem lassen wir derzeit unser Know-how im Kreieren von schlanken und effizienten Kreditabwicklungsprozessen in unsere Kreditfabrik und deren Software einfliessen. Das erlaubt uns von der aktuellen Entwicklung hin zu einfacheren und standardisierten Produkten, welche in vielen Unternehmen zu einer Auslagerung der BackOffice Prozesse führen wird, zu profitieren.

Weshalb glauben wir, dass das Outsourcing von BackOffice Prozessen in Zukunft zunehmen wird?

  • die geringeren und planbaren Kosten wirken sich oftmals positiv auf das Cost-Income-Ratio eines Unternehmens aus
  • die Wertschöpfung ihrer Beratung und Betreuung ist ein wichtiger USP. Natürlich muss die Abwicklung ein hohes Qualitätsniveau haben, aber es ist fern von einem wichtigen USP gegenüber den Kunden
  • Abwicklungsabteilungen, welche mit 3-5 Personen agieren sind aufgrund von Krankheitsausfällen und/oder Kündigungen regelmässig unterdotiert.

Die Entwicklung hin zu ausgelagerten Abwicklungsprozessen wird es den Finanzinstituten erlauben das Aufbrechen der Wertschöpfungskette zu ihren Gunsten zu nutzen und sich mit planbaren Kosten auf die Beratung, Ihr Wachstum und auf die Entwicklung von innovativen Produkten zu fokussieren. Wir gehen davon aus, dass eine Vielzahl der Finanzinstitute sich mittelfristig auf ihre Kernkompetenz „Beratung“ fokussieren und dadurch BPO-Angebote in volumenkritischen Prozessen stark zunehmen werden.

Fazit

Das was wir heute als Digitalisierung bezeichnen, entwickelte sich über die letzten Jahre – für die heutige Zeit – eher schleichend, denn als Big Bang, aber es nimmt kontinuierlich Fahrt auf und bringt eine bis heute ungewohnte Geschwindigkeit der Veränderung mit sich. Die Digitalisierung bzw. Technologisierung der Banken- bzw. Versicherungswelt ist einer der Treiber des heutigen Margenzerfalls. Dieser Zerfall kann, aus heutiger Sicht, durch Produkte-Standardisierung und Automatisierung der Abwicklung oder durch Positionierung in einem Nischenmarkt mit guten Margen „bekämpft“ werden. Die Konzentration auf automatisierte Verarbeitungen wird wiederum das Bedürfnis der Planbarkeit der Abwicklungskosten erhöhen und die Outsourcing-Rate im Abwicklungsgeschäft ansteigen lassen. Was wiederum bei den Unternehmen freie Ressourcen für die Beratung und die Entwicklung von innovativen und kundenfokussierten Produkten schaffen wird.

Link zum Englischen Blogbeitrag

 

Über den Autor

Ivan Büchi ist Leiter Digital Office bei der Glarner Kantonalbank. Er arbeitet zusammen mit einem sehr innovativen Team daran, Finanzlösungen einfacher und bequemer zugänglich zu machen.

Die Glarner Kantonalbank ist als Universalbank auf das Hypothekar- und Spargeschäft sowie auf das Vermögensverwaltungs- und Anlagegeschäft fokussiert. Ausserdem ist sie mit ihren Softlink-Modulen und der GLKB Kreditfabrik neu auch Software- und Service-Anbieterin.

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