Zug wird zum Fintech-Zentrum

Im Kanton Zug machen sich Pioniere der digitalen Finanzbranche breit. Im sogenannten Crypto Valley soll das globale Zentrum für Kryptowährungen entstehen: der kleine Bruder des Silicon Valley für Fintech-Vordenker.

Was den Rohstoffhandel angeht, spielt Zug bekannterweise ganz vorne mit. Aber in den letzten Jahren haben sich Jungunternehmer und Programmierer vorgenommen, Zug auch im Bereich digitaler Finanz-Themen an die Spitze zu bringen. Oder genauer gesagt: bei Kryptowährungen. Entwickelt werden neue Börsen, neue Verschlüsselungstechnologien oder neue digitale Währungen. Der Raum der Möglichkeiten ist riesig – Bitcoins sind nur eine Option von vielen.

Vorangetrieben wird die junge Szene von zwei vielversprechenden Projekten. Eines davon ist Monetas. Das Jungunternehmen steht für ein dezentrales, globales System für Finanz- und Rechtsgeschäfte – ohne Zwischenhändler, mit verschwindend tiefen Transaktionsgebühren, bedienbar mit dem Smartphone, schneller als klassische Bank-Transaktionen. Die Sicherheit ist durch die bisher ungeknackte Technologie-Basis der Bitcoin-Transaktionen gegeben. Die Ideen von Monetas finden Anklang: Die ersten Tests des Systems in Afrika sind in Vorbereitung, die Swisscom kürten in diesem Jahr das Jungunternehmen zu einem der Gewinner ihrer StartUp Challenge. Und die Internet-Gemeinde verfolgt die Fortschritte von Monetas mit grosser Aufmerksamkeit.

Alternative zu Bitcoin

Ethereum will einen Schritt weiter gehen. Das ambitionierte Ziel: Nicht nur Geldtransaktionen sollen dezentralisiert werden, auch Cloud-Speicher, wie viele es vom bekannten Dropbox-System kennen. Komplexe Finanzprodukte, Versicherungsverträge – alles soll dezentralisiert und automatisiert werden. Realisieren könnten dies kleine Programme, die im Netzwerk selbst laufen. Diese Smart Contracts lösen zum Beispiel eine Zahlung aus, wenn gewisse Bedingungen eintreten –wenn eine gewisse Kursgrenze überschritten wird, oder Wetterprognosen eine Flut vorhersagen.

Enormes Crowdfunding-Projekt

Die Idee für Ethereum stammt von Vitalik Buterin. Der 21-jährige Russe ist in der Krypto-Szene bekannt: Er hat das „Bitcoin Magazine“ mitgegründet und die Kryptowährung lange kritisch begleitet und mit seinen Entwicklungsvorschlägen mitgeprägt. Mit Ethereum sollen seine Pläne nun Realität werden. Die ersten Einheiten der neu geschaffenen Währung, Ethers, wurden jüngst generiert – Ende Juli wurde die erste Version des Systems aufgeschaltet. Bis alle Funktionen integriert sind, werden jedoch noch viele Monate vergehen.

Die dazugehörige Ethereum Foundation sitzt in Baar, die Entwickler arbeiten auch in Amsterdam, Berlin oder London. Für ihr Vorhaben hat das Team rund um Buterin innert sechs Wochen Bitcoins im Wert von 15 Millionen Franken beschafft – eines der bisher grössten Crowdfunding-Projekte.

Globales Zentrum in der Schweiz

Neben Monetas und Ethereum haben sich weitere Unternehmen aus der Branche in der Nachbarschaft angesiedelt. Bitcoin Suisse entwickelt Geldautomaten für Digitalwährungen, seit August letzten Jahres ist der erste in Betrieb. In der Nähe residiert mit MME ein juristisches Beratungsunternehmen, die für ihr Know-how aus der digitalen Welt bekannt ist. Weshalb Zug – weshalb die Schweiz?

Die Vision eines Crypto Valley in Zug wird vor allem von Johann Gevers vorangetrieben –CEO und Gründer von Monetas und Mitgründer der Bitcoin Association Switzerland sowie der Digital Finance Compliance Association (DFCA), einer Selbstregulierungsorganisation der Branche. „Zum Beginn der Zeit von digitalen Finanzdienstleistungen müssen wir ein globales Zentrum aufbauen, in dem die entstehenden Technologien ein sicheres und unterstützendes Umfeld finden“, so Gevers. Und er glaubt, die Schweiz sei der richtige Ort dafür.

Ein Ort für Pioniere

Für Gevers liegen die Gründe einerseits in bekannten Standortvorteilen wie der langen Tradition der Privatsphäre, der stabilen, direktdemokratischen Politik, einem unterstützenden Umfeld in Informatik. Aber auch ganz spezifisch habe man hier grosses Know-how in Kryptographie- oder Sicherheit-Themen aufgebaut. Und: Krypto-Währungen werden in der Schweiz wie Fremdwährungen behandelt. Das heisst, dass hierfür keine neuen Gesetze notwendig sein und das Steuer-Umfeld ist äusserst vorteilhaft. Laut Gevers sind das grossartige Nachrichten für die Branche.

Gevers und sein Unternehmen bieten anderen Organisationen aus der Branche Starthilfe bei der Ansiedelung oder Gründung in der Schweiz. Interessenten seien einige vorhanden. Durch den Aufbau von Monetas hätte das Team viel gelernt und das wolle man gern anderen Unternehmen weitergeben. Pioniere sind willkommen und Gevers geht davon aus, dass viele folgen werden.

 

 

Foto: Thomas Woodtli, flickr/Creative Commons

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